Die demografische Entwicklung lässt das Arbeitskräfteangebot stark schrumpfen. Neue Zahlen aus einer Projektion des Erwerbspersonenpotenzials bis 2060

Wir hatten bei der Behandlung des ersten Schwerpunktthemas bereits an mehreren Stellen gesehen, dass die demografische Entwicklung erhebliche Auswirkungen haben wird auf die Arbeitsmärkte. Ich hatte Ihnen bereits gezeigt, dass schon seit vielen Jahren der reine Demografie-Effekt dazu führt, dass Jahr für Jahr deutlich mehr Menschen den Arbeitsmarkt altersbedingt verlassen als unten jüngere (potenzielle und tatsächliche) Arbeitskräfte „nachwachsen“.

Nun hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit eine neue Projektion des Erwerbspersonenpotenzials bis weit in die Zukunft, konkret bis zum Jahr 2060, veröffentlicht:

➔ Johann Fuchs, Doris Söhnlein und Brigitte Weber (2021): Projektion des Erwerbspersonenpotenzials bis 2060: Demografische Entwicklung lässt das Arbeitskräfteangebot stark schrumpfen. IAB-Kurzbericht Nr. 25/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021

Der Zusammenfassung kann man entnehmen: »In Deutschland führt die demografische Entwicklung langfristig dazu, dass die Zahl der erwerbsfähigen Menschen sinkt und damit auch das Erwerbspersonenpotenzial, also die Summe aus Erwerbstätigen, Erwerbslosen und Stiller Reserve. Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und vor allem von Älteren kann diesen Trend lediglich abschwächen. Zuzüge aus dem Ausland stärken zwar die demografische Basis, aber die derzeitigen Wanderungszahlen reichen nicht, um den demografischen Effekt vollständig zu kompensieren. Da das Erwerbspersonenpotenzial der Obergrenze des Arbeitskräfteangebots entspricht, stehen den Betrieben künftig sehr wahrscheinlich immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung.«

Schauen wir etwas genauer hin (Hervorhebungen nicht im Original):

➔ Aus demografischen Gründen würde das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland von derzeit 47,4 Millionen Personen zwischen 2020 und 2035 voraussichtlich um 7,2 Millionen, bis 2060 um weitere 8,9 Millionen Arbeitskräfte sinken.

Für eine realistische Vorausschät­ zung der Entwicklung wird mit mehreren Szenarien der Einfluss einer weiter steigenden Erwerbs­beteiligung von Frauen und Älteren sowie der Migration eingerechnet.

➔ In einem Referenzszenario wurde neben den höheren Erwerbsquoten ein langfristiger Wanderungssaldo von jährlich 100.000 Migrantinnen und Migranten angenommen. Da­mit würde das Erwerbspersonen­potenzial bis 2035 um 3,0 Millionen und bis 2060 um weitere 6,1 Millio­nen Arbeitskräfte auf 38,3 Millionen sinken.

➔ Nur bei einer Nettozuwanderung von 400.000 Personen pro Jahr bliebe das Erwerbspersonenpotenzial bis 2035 konstant, stiege langfristig bis 2060 sogar auf 47,9 Millionen Er­werbspersonen.

➔ Mit einer besseren Integration ausländischer Frauen in den Ar­beitsmarkt, Erwerbsquoten deut­scher Frauen, die mit denen deut­scher Männer übereinstimmen sowie noch einmal deutlich höhe­ren Erwerbsquoten Älterer ließen sich im Referenzszenario 2035 zu­sätzliche Potenziale von 3,4 Millio­nen Erwerbspersonen aktivieren. Der Effekt würde sich aufgrund der demografischen Alterung bis 2060 auf 2,5 Millionen abschwächen.

1) Potenzialerwerbsquoten (Erwerbspersonenpotenzial / Bevölkerung der jeweiligen Gruppe in Prozent), die den Szenarien 2 und 4 sowie dem Referenzsszenario zugrunde liegen.