Ein aktualisierter Blick in die demografische Glaskugel: Das Statistische Bundesamt hat eine neue Vorausberechnung der Bevölkerung in Deutschland veröffentlicht

»Bis Mitte der 2030er Jahre wird in Deutschland die Zahl der Menschen im Rentenalter (ab 67 Jahren) um etwa 4 Millionen auf mindestens 20,0 Millionen steigen. Die Zahl der ab 80-Jährigen wird dagegen noch bis Mitte der 2030er Jahre relativ stabil bleiben und zwischen 5,8 und 6,7 Millionen betragen. Danach wird die Zahl der Hochaltrigen und damit voraussichtlich auch der Pflegebedarf in Deutschland massiv zunehmen.« Denn ab Mitte der 2030er Jahre rücken die Babyboomer-Jahrgänge in die Altersgruppe der ab 80-Jährigen auf. In den 2050er und 2060er Jahren werden dann zwischen 7 und 10 Millionen hochaltrige Menschen in Deutschland leben.

Diese und weitere Ergebnissen findet man im Detail hier:

15. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Annahmen und Ergebnisse

„Diese Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur sind im Wesentlichen schon im heutigen Altersaufbau angelegt. Wir müssen mit diesem Alterungsprozess und den damit verbundenen Herausforderungen für die Gesellschaft umgehen“, wird Karsten Lummer, Leiter der Abteilung „Bevölkerung“ des Statistischen Bundesamtes, in der Mitteilung 2035 werden in Deutschland 4 Millionen mehr ab 67-Jährige leben zitiert, die Anfang Dezember 2022 veröffentlicht wurde.

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Von der Geburtenrate im gar nicht so fernen Japan und der Hoffnung, mit etwas Geld könne man da was machen

Als wir über die Bestimmungsfaktoren der demografischen Entwicklung besprochen haben, ging es immer wieder um „die“ Geburtenrate. Ich hatte Ihnen am Beispiel von China gezeigt, dass auch andere Länder, die weit weg sind von Deutschland, erhebliche Probleme haben aufgrund einer zu niedrigen Geburtenrate (vgl. dazu den Beitrag Von einem alternden Europa und was China mit dem Thema Geburtenrate (und deren sozialpolitische Auswirkungen) zu tun hat vom 18. Oktober 2022). Sie haben dort auch erfahren, dass man in China versucht, durch eine Veränderung der Familienpolitik Anreize zu setzen, (wieder) mehr Kinder in die Welt setzen zu lassen. Mit bislang mehr als begrenzten bzw. noch gar keinen Erfolg. Vgl. dazu aus der Vielzahl an Berichten den Beitrag Zu viel gebremst vom 15.11.2022: »Nach jahrzehntelanger Ein-Kind-Politik hat China das Bevölkerungswachstum im eigenen Land stark gebremst. Mehr noch: Die Bevölkerung schrumpft sogar. Das bringt Probleme mit sich.« In dem Artikel wird auf die enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verunsicherungen in China hingewiesen – die haben enorme Auswirkungen, denn „das macht es noch schwieriger, Frauen davon zu überzeugen, mehr als ein Kind zu haben oder überhaupt ein Kind zu bekommen.“

Aber in anderen Ländern sieht es nicht anders aus, beispielsweise in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt: Japan.

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Es kommen immer mehr Flüchtlinge. Über die „Balkan-Route“

Wir hatten in der Veranstaltung gesprochen über die wieder stark steigende Zahl an geflüchteten Menschen, die nach Deutschland kommen. Darunter sind zum einen die Menschen – vor allem Frauen, Kinder und Ältere – aus der Ukraine. Wenn in den vergangenen Monaten über das Thema Flucht gesprochen wurde, dann überwiegend mit Blick auf die Situation in der Ukraine. Die EU hatte beispielsweise extra die Massenzustrom-Richtlinie aktiviert, damit ukrainische Flüchtlinge nicht das herkömmliche Asylverfahren durchlaufen müssen. Zum anderen kommen aber auch viele Menschen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern.

Bei der Besprechung dieses Themas ist immer wieder von der „Balkan-Route“ gesprochen worden. Um was genau geht es dabei?

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Das mit der (steigenden) Lebenserwartung ist immer relativ

Erinnern Sie sich noch, als wir bei der Besprechung der drei Einflussfaktoren auf die demografische Entwicklung über die Entwicklung der Lebenserwartung gesprochen haben? Ich hatte dabei – siehe dazu die Ihnen auch vorliegenden Folien – darauf hingewiesen, dass das mit dem „Wir werden alle immer älter“ mit spitzen Fingern anzufassen ist. Dahinter steht das berühmte Durchschnittsproblem1 und ein durchschnittlicher Anstieg der Lebenserwartung muss keineswegs bedeuten, dass sich der Anstieg auf alle Menschen in etwa gleich verteilt. Die einen sterben früher und die anderen deutlich später – und diese Spreizung ist nicht ausschließlich eine rein individuelle Sache, sondern – wie ich Ihnen gezeigt habe – das ist auch sehr ungleich verteilt nach der Einkommenslage der Menschen. „Oben“ lebt (im Durchschnitt) länger, „unten“ stirbt früher. Teilweise liegen da zehn Jahre Lebenserwartungsunterschiede zwischen dem oberen Viertel und dem unten.

Und das hat sozialpolitisch ganz erhebliche Konsequenzen, wenn Sie an eine schematische Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters denken, mit der immer wieder zu hörenden und scheinbar so vernünftig daherkommenden Begründung, dass wenn „wir“ alle vier oder mehr Jahr älter werden, dann können „wir“ doch davon auch ein oder zwei Jahre länger arbeiten. Wie gesagt, klingt vernünftig, ist aber bei einer ungleichen Verteilung der Lebenserwartung ein schlechtes Geschäft für diejenigen, die sowieso schon oftmals sehr niedrige Renten bekommen, die bei einem Nicht-Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters von Abschlägen bei der Rente bis zum Tod getroffen werden und dann auch noch früher versterben.

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Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Geburtenrate und Lebenserwartung

Sie erinnern sich: Wir hatten in der Veranstaltung kurz andiskutiert, ob und welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die Geburtenentwicklung gehabt hat. Es gab insbesondere mit Blick auf den Lockdown die These, dass sich das Runterfahren des öffentlichen Lebens neun Monate später bemerkbar machen wird in steigenden Geburtenzahlen. Nun aber wird man mit solchen Meldungen konfrontiert: COVID-19: Neun Monate nach dem Lockdown weniger Geburten in Europa: »In den meisten europäischen Ländern, so auch in Deutschland, ist es im Januar 2021 – 9 bis 10 Mo­nate nach dem ersten Lockdown – zu einem Rückgang der Geburtenrate gekommen, dessen Ausmaß laut einer Studie … mit der Dauer des Lockdowns zunahm.«

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Von einem alternden Europa und was China mit dem Thema Geburtenrate (und deren sozialpolitische Auswirkungen) zu tun hat

Ich hatte in der Vorlesung darauf hingewiesen, dass die Geburtenraten in Deutschland, die wir seit Anfang der 1970er Jahre sehen, erhebliche Verschiebungen in der Bevölkerungsstruktur verursachen. Man spricht dann immer von der „Alterung“ der Gesellschaft (im Zusammenspiel mit den beiden anderen Faktoren Lebenserwartung und dem Wanderungssaldo). Dabei geht es um die Zunahme der älteren Menschen (absolut und relativ gesehen) und die gegenläufige Entwicklung bei den Jüngeren. Diese Prozesse laufen übrigens in unterschiedlicher Intensität in allen europäischen Staaten ab. Schauen Sie sich hierzu die folgende Abbildung an:

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Die Geburt eines Kindes als „Fallbeil“?

In der letzten Veranstaltung haben wir über das Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder gesprochen. Von besonderer Bedeutung ist dabei zum einen die Verschiebung des durchschnittlichen Alters der Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes, zum anderen haben wir anhand der Daten gesehen, dass das zweite und dritte Kind relativ schnell hinterherkommt.

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Von „der“ Geburtenrate und ihrer Entwicklung unter Berücksichtigung der Corona-Pandemie

Wir haben bereits intensiv gesprochen über die bisherige Geburtenentwicklung in Deutschland, dabei vor allem zum einen über die geburtenstarken Jahrgänge („Babyboomer“) sowie zum anderen der ausgeprägte Rückgang der Geburtenrate Anfang der 1970er Jahre und deren Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen. Ich hatte Sie gebeten, die beim letzten Mal noch nicht genauer besprochenen Folien zum Thema Geburtenrate anzuschauen und nachzuvollziehen. Daraus sollten Sie vor allem mitgenommen haben, dass es nicht „die“ eine Geburtenrate gibt, man muss genauer hinschauen.

Wir haben zum einen die zusammengefasste Geburtenziffer, die zur Beschreibung des aktuellen Geburtenverhaltens herangezogen wird. Diese zeigt uns, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen zwischen 15 und 49 Jahren im jeweils betrachteten Jahr.

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Am Anfang der Behandlung des demografischen Wandels – und schon bleiben wir stecken in der Arbeitsmarktfrage

Wir haben uns in der letzten Veranstaltung beschäftigt mit dem Einstieg in das Themenfeld demografischer Wandel und den Einflussfaktoren auf die demografische Entwicklung. Eigentlich hätte dabei der erste der drei Einflussfaktoren ausführlich aufgearbeitet werden sollen, also „die“ Geburtenrate. Aber wir sind steckengeblieben im vorderen Teil der Ihnen vorliegenden Foliensammlung. Neben der Diskussion der langen Zeitreihe der Geburtenentwicklung in Deutschland seit dem Jahr 1946 hatte ich Ihnen an zwei Abbildungen illustriert, wie die geburtenstarken Jahrgänge, die „Baby-Boomer“ bereits in den vergangenen Jahren die Zusammensetzung des Arbeitsangebots verändert haben (denken Sie hier an die Verschiebung der Altersstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten).

Und denken Sie daran, wie stark die altersbedingten Abgänge beim Arbeitsangebot bereits seit vielen Jahren sind (hier relevant der „demografische Faktor“), was dazu führt, dass wir in Deutschland bereits seit längerem jährlich 300.000 und mehr Arbeitskräfte verlieren als unten Jüngere nachwachsen. Und die geburtenstarken Jahrgänge nähern sich gerade erst der Altersgrenze.

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Die Sozialpolitik ist ein weites, sehr weites Feld. Einige Anmerkungen zur Einführungsveranstaltung

Ich hatte Ihnen in der ersten Veranstaltung versucht, einen Überblick zu geben über die thematische Breite (geschweige denn Tiefe) dessen, was mit Sozialpolitik verbunden wird. 

Dabei habe ich auf zwei ganz bedeutsame und hilfreiche Lehrbücher zur Sozialpolitik hingewiesen, die beide den Vorteil haben, dass Sie die als Studierende am RAC kostenlos über die Bibliothek als E-Book herunterladen können.

➔ Gerhard Bäcker/Gerhard Naegele/Reinhard Bispinck (2020): Sozialpolitik und soziale Lage in Deutschland. Ein Handbuch. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden 2020

➔ Jörg Althammer/Heinz Lampert/Maximilian Sommer (2021): Lehrbuch der Sozialpolitik. 10., vollständig überarbeitete Auflage, Wiesbaden 2021

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