Das mit der (steigenden) Lebenserwartung ist immer relativ

Erinnern Sie sich noch, als wir bei der Besprechung der drei Einflussfaktoren auf die demografische Entwicklung über die Entwicklung der Lebenserwartung gesprochen haben? Ich hatte dabei – siehe dazu die Ihnen auch vorliegenden Folien – darauf hingewiesen, dass das mit dem „Wir werden alle immer älter“ mit spitzen Fingern anzufassen ist. Dahinter steht das berühmte Durchschnittsproblem1 und ein durchschnittlicher Anstieg der Lebenserwartung muss keineswegs bedeuten, dass sich der Anstieg auf alle Menschen in etwa gleich verteilt. Die einen sterben früher und die anderen deutlich später – und diese Spreizung ist nicht ausschließlich eine rein individuelle Sache, sondern – wie ich Ihnen gezeigt habe – das ist auch sehr ungleich verteilt nach der Einkommenslage der Menschen. „Oben“ lebt (im Durchschnitt) länger, „unten“ stirbt früher. Teilweise liegen da zehn Jahre Lebenserwartungsunterschiede zwischen dem oberen Viertel und dem unten.

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„Die“ Lebenserwartung in Deutschland ist im internationalen Vergleich eher – und dann auch angeblich noch vermeidbar – niedrig

Das sind Schlagzeilen, die man lieber nicht serviert bekommt: Menschen in Deutschland sterben früher als in anderen westeuropäischen Ländern, so ist ein Beitrag überschrieben. »Obwohl die Ausgaben für Gesundheit in Deutschland hoch sind, ist die Lebenserwartung im westeuropäischen Vergleich eher niedrig«, kann man da lesen – und sogleich wird nachgeschoben: »Dabei wäre der Grund dafür weitestgehend vermeidbar.« Wirklich? 

»Deutschland liegt bei der Lebenserwartung im westeuropäischen Vergleich eher auf den hinteren Plätzen. Bei einem Ranking unter 16 Ländern in Westeuropa erreicht die Bundesrepublik bei den Männern Platz 15, bei den Frauen Platz 14.« Und weiter heißt es dort, als Zitat gekennzeichnet: »Wesentliche Ursache für den Rückstand ist eine erhöhte Zahl von Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.« Hier muss man dann die Stelle mit dem vermeidbaren Grund vermuten. Aber woher kommen diese Zahlen?

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China … und in Zukunft Indien? Es ist kompliziert, aber das Jahr 2023 wird sicher in Erinnerung bleiben als ein Jahr der demografischen Zeitenwende

Ich habe Ihnen ja schon die Bedeutung des Themas demografische Entwicklung für und in China erläutert. Und ich hatte in der Veranstaltung bereits darauf hingewiesen, dass dieses Jahr rückblickend als eines gewertet werden könnte, in denen sich eine demografische Zeitenwende angekündigt hat: Erstmals soll China als bevölkerungsreichstes Land überholt worden sein. Von Indien. Auch wenn man solche eindeutig daherkommenden Aussagen angesichts der Datenlage mit Vorsicht genießen muss: China nicht mehr bevölkerungsreichstes Land der Erde, so ist einer der vielen Artikel dazu überschrieben: »Während China lange Zeit das bevölkerungsreichste Land war, steht nun ein Führungswechsel an: Nach Vorhersagen der UN wird Indien am 14. April China überholen. Allerdings ist dieses genaue Datum laut Demografen mit Vorsicht zu genießen: „Es ist eine grobe Annäherung, die beste Schätzung“, sagte Patrick Gerland, Leiter der Abteilung für Bevölkerungsprognosen bei der UNO.«

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Von einem alternden Europa und was China mit dem Thema Geburtenrate (und deren sozialpolitische Auswirkungen) zu tun hat

Ich hatte in der Vorlesung darauf hingewiesen, dass die Geburtenraten in Deutschland, die wir seit Anfang der 1970er Jahre sehen, erhebliche Verschiebungen in der Bevölkerungsstruktur verursachen. Man spricht dann immer von der „Alterung“ der Gesellschaft (im Zusammenspiel mit den beiden anderen Faktoren Lebenserwartung und dem Wanderungssaldo). Dabei geht es um die Zunahme der älteren Menschen (absolut und relativ gesehen) und die gegenläufige Entwicklung bei den Jüngeren. Diese Prozesse laufen übrigens in unterschiedlicher Intensität in allen europäischen Staaten ab. Schauen Sie sich hierzu die folgende Abbildung an:

Demografische Kennziffern für die 27 EU-Staaten

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Am Anfang der Behandlung des demografischen Wandels – und schon landen wir bei der Arbeitsmarktfrage

Wir haben uns beschäftigt mit dem Einstieg in das Themenfeld demografischer Wandel und den Einflussfaktoren auf die demografische Entwicklung. Im vorderen Teil der Ihnen vorliegenden Foliensammlung geht es um die Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf viele sozialpolitisch relevante Handlungsfelder. Neben der Diskussion der langen Zeitreihe der Geburtenentwicklung in Deutschland seit dem Jahr 1946 wird Ihnen an zwei Abbildungen illustriert, wie die geburtenstarken Jahrgänge, die „Baby-Boomer“ bereits in den vergangenen Jahren die Zusammensetzung des Arbeitsangebots verändert haben (schauen Sie sich hierzu beispielsweise die Verschiebung der Altersstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an – man erkennt eine deutliche Verschiebung der Altersstruktur der Beschäftigten in höhere Altersgruppen).

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„Die“ Geburtenrate ist (nicht nur) in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren rückläufig

»Die Geburtenrate in Deutschland ist innerhalb der vergangenen beiden Jahre deutlich zurückgegangen«, kann man dieser am 20. März 2024 veröffentlichten Meldung aus dem Deutschen Ärzteblatt entnehmen: Geburtenrate in vergangenen zwei Jahren rückläufig. »Die Geburtenrate sei von 1,57 Kindern pro Frau im Jahr 2021 auf rund 1,36 im Herbst 2023 gefallen. Damit sei das so bezeichnete Fertilitätsniveau so niedrig wie seit 2009 nicht mehr.«

Diese Zahlen kommen vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). »Nachdem in Deutschland die Geburtenrate während der ersten Zeit der Coronapandemie stabil geblieben war, sank sie im weiteren Verlauf der Pandemie ab Januar 2022 auf 1,4 und erholte sich im Sommer 2022 wieder auf 1,5 Kinder pro Frau. Im Jahr 2023 fiel die Geburtenrate erneut weiter ab und betrug nach vorläufigen Berechnungen im Durchschnitt der Monate Januar bis November 1,36. Der beobachtete starke Rückgang der Fertilität innerhalb von zwei Jahren ist deshalb ungewöhnlich, da sich Phasen sinkender Geburtenraten in der Vergangenheit eher langsamer vollzogen haben«, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Mitteilung Geburtenrate fällt auf den tiefsten Stand seit 2009. Daraus diese Abbildung:

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Die demografische Entwicklung – ein fundamentales Thema in der aktuellen Berichterstattung

Ich hatte Ihnen in der Einführungsveranstaltung erläutert, dass wir uns im ersten Teil der Veranstaltung mit der demografischen Entwicklung vertiefend auseinandersetzen werden, da diese gleichsam wie ein roter Faden für scheinbar ganz unterschiedliche Themen der Sozialpolitik herangezogen werden kann.

Und wie bestellt finden wir eine Untermauerung dieser These in der aktuellen Berichterstattung.

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Die Sozialpolitik ist ein weites, sehr weites Feld. Einige Anmerkungen zur Einführungsveranstaltung

ch hatte Ihnen in der ersten Veranstaltung versucht, einen Überblick zu geben über die thematische Breite (geschweige denn Tiefe) dessen, was mit Sozialpolitik verbunden wird. 

Ich habe auf einige ausgewählte Lehrbücher zur Sozialpolitik hingewiesen (die Liste finden Sie im Materialordner auf der Olat-Seite). Dabei möchte ich Sie nur auf zwei Lehrbücher besonders aufmerksam machen, die beide (wie die anderen in der Liste auch) den Vorteil haben, dass Sie die als Studierende am RAC kostenlos über die Bibliothek als E-Book herunterladen können:

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Sozialpolitik-Veranstaltung im Sommersemester 2024

Hier finden Sie den vorlesungsbegleitenden Blog zur Sozialpolitik-Veranstaltung im Sommersemester 2024.

Die erste Veranstaltung wird am Montag, dem 8. April 2024 stattfinden.

Bitte tragen Sie sich als Teilnehmer im Olat-Kurs (AG 13 / AG 142 Sozialpolitik SoSe 2024) ein. Die gesamte Kommunikation wird über den Olat-Kurs laufen.